Organisiert wie Wikipedia werden im OpenStreetMap-Projekt von tausenden Freiwilligen, verstreut über den ganzen Globus, Geodaten gesammelt und in einer zentralen Datenbank gespeichert. Daraus lassen sich Straßenkarten und andere thematische Karten erzeugen sowie Routing-Applikationen unterstützen. Sowohl die Geodaten als auch die daraus erzeugten Karten sind für jedermann frei verwendbar. Auch für Vermessungsingenieure und Kartographen können sich im Zuge der kartographischen Aufbereitung und Veredelung der Daten neue Geschäftsfelder auftun.
Ein im Frühjahr 2008 erschienenes Buch gibt einen umfassenden Überblick über Community, Datenmodell und verwendete Software. Es gliedert sich in die vier Teile: Einführung (15 Seiten), OpenStreetMap für Mitmacher (87 Seiten), OpenStreetMap-Karten (56 Seiten) und Hacking OpenStreetMap (43 Seiten).

In Teil I, Einführung, geben die Autoren einen Überblick über die Geschichte des Projekts, stellen den Begriff „frei“ vor., En passant werden die Unterschiede von Geodaten in Vektor- und Rasterformat, die Verwandtschaft mit Geoinformationssystemen erläutert. Der Leser erhält die notwendigen Informationen, wie er Anteil am Projektgeschehen nehmen kann, sei es als angemeldeter Nutzer, Leser von Mailinglisten, Entwickleroder Teilnehmer an Mapping-Parties oder Konferenzen.

In Teil II, OpenStreetMap für Mitmacher, werden zunächst Grundlagen über das Global Positioning System (GPS), Gerätetypen und Datenformate erklärt und Tipps für die Geräteauswahl und Umgang mit den Geräten gegeben. Anhang einer fiktiven Tour erfährt man konkret, wie die Umgebung mittels GPS-Gerät erfasst und für die spätere Kartierung dokumentiert werden kann.
Der bei OpenStreetMap verwendete Modellierungsansatz wird einschließlich praxisrelevanter Attribute (tags) ausführlich vorgestellt und anhand komplexer Straßensituationen, wie Kreisverkehre oder Autobahnkreuze, detailliert behandelt. Die Autoren stellen die wichtigsten Editoren zum Digitalisieren und Aktualisieren von OSM-Daten, JOSM und Potlach, vor.

In Teil III: OpenStreetMap-Karten, geht es darum, aus den gemeinschaftlich erzeugten Daten wiederum Karten zu erzeugen. Die beiden Renderer Mapnik und Osmarender kommen nach einer Einführung in die grundlegenden Techniken ebenso zur Sprache wie die Konvertierung von Karten für die GPS-Geräte von Garmin. Die Syntax der Regeln (rules) für die kartographische Visualisierung wird im Detail erläutert. Konkret wird dann anhand der APIs von Google Maps und OpenLayers gezeigt, wie die freien Kartendaten in eigene interaktive Kartenanwendungen für das Web integriert werden können. Die in diesem Zusammenhang wichtige Frage der Rechte an den Daten wird ebenfalls betrachtet.
Teil IV, Hacking OpenStreetMap, richtet sich zunächst explizit an Softwareentwickler und vermittelt eine Übersicht über im Projekt verwendete Programmiersprachen, APIs sowie den Zugriff auf das Subversion-Repository. Auch für Nutzer der Daten ist die Beschreibung des kommandozeilenorientierten Werkzeugs Osmosis interessant. Dabei handelt es sich um einen universell einsetzbares Filter- und Konvertierungsprogramm. Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Routing auf der Grundlage von OSM-Daten. Verschiedene Ansätze werden vorgestellt, wobei allerdings das nach Erscheinen des Buchs freigegebene Dienst http://www.openrouteservice.org/ der Universität Bonn noch unberücksichtigt ist. Abschließend wird in einem kurzen Kapitel der Betriebs eines eigenen OSM-Server behandelt.
Im Anhang werden verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit Kartenprojektionen kurz beschrieben. Links zu Softwarepaketen sind tabellarisch unter dem Gesichtspunkt der Verfügbarkeit für verschiedene Betriebssysteme zusammengefasst.

Fazit
Das Buch gibt eine umfassende Einführung in Nutzung von und Mitarbeit im OpenStreetMap-Projekt. Es ist von seiner Sprache her sehr angenehm zu lesen, ansprechend layoutet und auf gutem Papier gedruckt. Die 32 Farbtafeln in der Buchmitte geben einen guten Überblick über verschiedene Tools und Einsatzmöglichkeiten. Es wird deutlich, dass die Autoren über einen großen Erfahrungs- und Wissensschatz verfügen, der über OpenStreetMap hinausreicht; dies erklärt vielleicht, dass für Einsteiger bei den teilweise komplexen Softwarepaketen unerwartete Hürden auftauchen können. Für den Preis von 29,95 Euro ist das Buch ein sehr gelungenes, motivierendes Werk, dem der Rezensent weite Verbreitung wünschen möchte.
Frederik Ramm, Jochen Topf: OpenStreetMap. Die freie Weltkarte nutzen und mitgestalten. Jahr: 2008. Lehmanns Media, 288 Seiten, Preis: 29,95 Euro, ISBN: 3-86541-262-9

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